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Feuilleton

13.02.2010

Verwechslungen

Seit 1896 überlaufen Leichtathleten aus aller Welt zehn Hürden, exakt 1,067 Meter hoch, um olympische Ehren zu erringen. Geändert hat sich nur die Mode. Waren es damals noch schwarz-weiß gestreifte Jerseys aus Opas Schlafkabinett, sind es heute bunte, und wo immer es das Regelment erlaubt, mit Sponsoring- Logos bedruckte Spitzenprodukte der Freizeitindstrie. Sie sollen maximale Bewegungsfreiheit bieten, auf dass der Beste gewinnen möge.

Eine andere Möglichkeit, sich einen Vorsprung zu verschaffen ist das Doping. Als Frank Balzer, Deutschlands erfolgreichster Hürdensprinter, unter den Verdacht des Missbrauchs der Droge Nandrolon geriet, wurde sein Fall zum Krimi. Bei der Öffnung der sogenannten B-Probe waren nicht nur die Nandrolon-Werte unterschiedlich, auch die Harndichte gab Anlass zu der Vermutung, dass es zu einer bewussten Verwechslung gekommen sei. Helmut Digel, Präsident des Leichtathletik Verbandes räumte ein, dass es international schon öfter zu Verwechslungen gekommen sei.

Ein anderer Fall bewusster Verwechslung liegt schon länger zurück, im antiken Rom. Dort wurde in der Abenddämmerung der demokratischen römischen Republik die Lehre eines Herrn Epikur zunehmend populär. Wahres Glück besteht in der heiteren Ruhe nach Überwindung der Furcht, meinte Epikur. Ein gewisser Cicero, dem weder Caesers krankhafter Machthunger noch die dazugehörige Gleichgültigkeit der römischen Bürger gefiel, sorgte für eine bewusste Verwechslung von Epikurs Ideen mit der Schule von Kyrene, der ersten "Fun-Generation". Warum? Vielleicht, um die Bürger zu provozieren. Cicero rief zum Sturz des mittlerweile zum Tyrann gewordenen Herrn Casear auf. Dessen Freund Brutus, genauer gesagt sein Name, gilt seither als Wurzel für das Wort "brutal" - etwas, das ein Leichtathletik- Wettbewerb wie eben ein Hürdenlauf nicht sein soll.

In Pitten steht ein Hürdenlauf der besonderen Art an, der Wahlkampf. Nach einer in Europa wohl einzigartigen fünfundsechzigjährigen Alleinherrschaft seiner Partei hat ein von Konkurrenten überraschter Bürgermeister nun einen erwähnenswerten Fall von Verwirrung geboten. Da wird ein "Internet-Forum" und ein alter Beitrag über Urinabgaben mit einer neugegründeten Gruppe verwechselt, die sich Bürgerforum nennt.

Sagen wir einmal, um bei den Worten von Leichtathletik-Präsident Digel zu bleiben, dass bei Urinproben solche Verwechslungen menschlich sind. Hätte Frank Balzer wirklich gedopt, er hätte über derartige Dinge gut lachen können. Unter der Verwendung von Nandrolon vergrößert sich nämlich der Muskelquerschnitt des Zwerchfells um bis zu siebenundvierzig Prozent. Aber Balzer hat nicht gedopt, er ist eine ehrliche Haut. Wie sagt Präsident Digel so schön? Nicht alles läuft perfekt.