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Seit 1896 überlaufen Leichtathleten aus aller Welt
zehn Hürden, exakt 1,067 Meter hoch, um olympische
Ehren zu erringen. Geändert hat sich nur die Mode.
Waren es damals noch schwarz-weiß gestreifte
Jerseys aus Opas Schlafkabinett, sind es heute bunte,
und wo immer es das Regelment erlaubt, mit Sponsoring-
Logos bedruckte Spitzenprodukte der Freizeitindstrie.
Sie sollen maximale Bewegungsfreiheit bieten, auf dass
der Beste gewinnen möge.
Eine andere Möglichkeit, sich
einen Vorsprung zu verschaffen ist das Doping.
Als Frank Balzer, Deutschlands erfolgreichster
Hürdensprinter, unter den Verdacht des Missbrauchs
der Droge Nandrolon geriet, wurde sein Fall zum Krimi.
Bei der Öffnung der sogenannten B-Probe waren nicht
nur die Nandrolon-Werte unterschiedlich, auch die
Harndichte gab Anlass zu der Vermutung, dass es zu
einer bewussten Verwechslung gekommen sei.
Helmut Digel, Präsident des Leichtathletik Verbandes
räumte ein, dass es international schon öfter zu
Verwechslungen gekommen sei.
Ein anderer Fall
bewusster Verwechslung liegt schon länger zurück,
im antiken Rom. Dort wurde in der Abenddämmerung
der demokratischen römischen Republik die Lehre eines
Herrn Epikur zunehmend populär. Wahres Glück
besteht in der heiteren Ruhe nach Überwindung
der Furcht, meinte Epikur. Ein gewisser Cicero, dem
weder Caesers krankhafter Machthunger noch die
dazugehörige Gleichgültigkeit der römischen Bürger gefiel,
sorgte für eine bewusste Verwechslung von Epikurs Ideen
mit der Schule von Kyrene, der ersten "Fun-Generation".
Warum? Vielleicht, um die Bürger zu provozieren.
Cicero rief zum Sturz des mittlerweile zum Tyrann
gewordenen Herrn Casear auf. Dessen Freund Brutus,
genauer gesagt sein Name, gilt seither als Wurzel für
das Wort "brutal" - etwas, das ein Leichtathletik-
Wettbewerb wie eben ein Hürdenlauf nicht sein soll.
In Pitten steht ein Hürdenlauf der besonderen Art an,
der Wahlkampf. Nach einer in Europa wohl einzigartigen
fünfundsechzigjährigen Alleinherrschaft seiner Partei hat ein
von Konkurrenten überraschter Bürgermeister nun
einen erwähnenswerten Fall von Verwirrung geboten.
Da wird ein "Internet-Forum" und ein alter Beitrag über
Urinabgaben mit einer neugegründeten Gruppe
verwechselt, die sich Bürgerforum nennt.
Sagen wir
einmal, um bei den Worten von Leichtathletik-Präsident Digel
zu bleiben, dass bei Urinproben solche Verwechslungen
menschlich sind. Hätte Frank Balzer wirklich gedopt,
er hätte über derartige Dinge gut lachen können.
Unter der Verwendung von Nandrolon vergrößert
sich nämlich der Muskelquerschnitt des Zwerchfells um
bis zu siebenundvierzig Prozent. Aber Balzer hat nicht
gedopt, er ist eine ehrliche Haut. Wie sagt Präsident
Digel so schön? Nicht alles läuft perfekt.
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